Funkverbindungen über den Dächern von Nauen – Astronomiekurs entdeckt die Welt des Amateurfunks
Wie funktioniert Kommunikation über große Entfernungen – und welche Rolle spielt Funk dabei, etwa bei der Raumfahrt oder sogar im Weltall? Mit diesen Fragen beschäftigte sich der Astronomie-Wahlpflichtkurs des 10. Jahrgangs unseres Gymnasiums bei einem besonderen Projekttag auf dem LDVC Campus in Nauen, der traditionsreichen „Funkerstadt“.
Ein Bericht von Raik Söder
Erste Einblicke in die Welt des Amateurfunks
Gemeinsam mit dem erfahrenen Amateurfunker Jens Engelmann erhielten unsere 14 Schüler des Wahlpflichtkurses Astronomie zunächst eine Einführung in die Grundlagen des Amateurfunks. Dabei ging es um Funktechnik, Rufzeichen, Gesprächsabläufe und die Regeln der internationalen Funkkommunikation. Doch es blieb nicht bei der Theorie: Schon bald konnten die Jugendlichen selbst zum Mikrofon greifen. Mit Handfunkgeräten nahmen sie Kontakt zu einer anderen Schule auf und führten erste Funkgespräche – ein besonderes Erlebnis war dabei der Austausch mit Grundschülerinnen und Grundschülern einer Partnerschule. Für viele war es das erste Mal, dass sie selbst über Funk mit anderen Menschen kommunizierten und dabei die typischen Funkabläufe mit Rufzeichen und klaren Gesprächsstrukturen ausprobierten.
Bau einer portablen Amateurfunkstation
Im zweiten Teil des Projekts wurde es noch technischer: Gemeinsam bauten die Schülerinnen und Schüler eine portable Amateurfunkstation auf. Dazu wurde eine Antenne über ein Kabel nach draußen geführt, um eine größere Reichweite zu erzielen. Anschließend konnten verschiedene Frequenzen abgehört werden. Dabei wurden Gespräche aus unterschiedlichen Ländern und in verschiedenen Sprachen empfangen – ein eindrucksvoller Beweis dafür, wie international Amateurfunk funktioniert.
Internationale Verbindungen und spannende Aha-Momente
Ein besonderes Highlight ergab sich bei einer Funkverbindung auf dem 20-Meter-Kurzwellenband. Dort meldete sich eine Station aus Norwegen. Im Gespräch erwähnte der Funkpartner, dass er „sieben Grad nördlich“ wohne. Zunächst sorgte das für Verwirrung – einige der Jugendlichen verstanden dies als Temperaturangabe. Erst bei genauerem Nachschauen stellte sich heraus, dass der Funkpartner sieben Grad nördlich des Polarkreises lebt.
Dieser Moment wurde spontan zu einer kleinen Geografiestunde über Breiten- und Längengrade – und zeigte, wie Funk Menschen über enorme Entfernungen hinweg verbindet. Eine weitere Verbindung führte zu einer Funkstation mit italienischem Rufzeichen, deren Betreiber jedoch in Rumänien lebt.
Solche internationalen Kontakte sind typisch für den Amateurfunk und verdeutlichen eindrucksvoll, wie global dieses Hobby ist. Neben der Technik stand vor allem das praktische Ausprobieren im Mittelpunkt. Die Schülerinnen und Schüler konnten selbst funken, Signale empfangen und ein Gefühl dafür entwickeln, wie Kommunikation über Funk funktioniert. Dabei wurde auch deutlich, welche Faktoren eine Funkverbindung beeinflussen – etwa Antennenhöhe, Störungen oder Ausbreitungsbedingungen.
Der Projekttag war ein somit voller Erfolg. Einige der Jugendlichen zeigten so großes Interesse, dass sie nun überlegen, selbst eine Amateurfunklizenz der Klasse N zu erwerben. Der Tag zeigte eindrucksvoll: Amateurfunk verbindet Technik, Naturwissenschaft, Geografie und internationale Verständigung – und kann junge Menschen nachhaltig für Wissenschaft und Kommunikation begeistern.


































































