Mit Leidenschaft, Disziplin und Vertrauen: Helen im Interview über ihren Weg im Westernreiten
Seit ihrer frühen Kindheit sitzt Helen im Sattel – heute ist sie 18 Jahre alt, besucht die 11. Klasse (WUN) und gehört bereits zu den vielversprechenden Nachwuchsreiterinnen im Westernreitsport. Besonders die Disziplin Reining hat es ihr angetan: präzise, schnell, technisch anspruchsvoll und voller Ausdruck. Dass sie diesen Weg so konsequent gehen kann, verdankt sie nicht nur ihrer eigenen Disziplin und Leidenschaft, sondern auch dem unterstützenden Umfeld aus Familie, Pferden – und Schule.
Zu ihren wichtigsten vierbeinigen Partnern zählen mehrere Pferde, die sie auf ganz unterschiedlichen Etappen ihres sportlichen Weges begleiten:
Steppi brachte sie zur Reining und trug sie durch ihre ersten größeren Turniere. Whisky war im vergangenen Jahr ihr sportliches Sprungbrett in den leistungsorientierten Wettkampfbereich. Aktuell lernt Helen gemeinsam mit Muffin, ihrem neuen Turnierpferd, noch einmal ganz neu dazu – erst vor einer Woche gewann das Duo beim italienischen Derby in Cremona 3.548 US-Dollar. Nevio, der Jüngste im Stall, ist besonders talentiert, braucht aber noch Routine – daran arbeiten sie Schritt für Schritt.
Helen, was fasziniert dich am Westernreiten?
Eigentlich alles! Die Atmosphäre, der besondere Flair auf den Turnieren, die Harmonie zwischen Reiter und Pferd und die harte Arbeit im Training. Auf hohem Niveau sieht alles ganz leicht aus – dabei steckt so viel Feinarbeit, Vertrauen und Teamwork dahinter. Für mich ist Westernreiten mehr als nur ein Sport – es ist das, wofür es sich für mich zu leben lohnt.
Wie würdest du Westernreiten jemandem kurz erklären, der nicht so viel Ahnung davon hat?
Westernreiten ist schnell, präzise und spektakulär, aber gleichzeitig auch sehr vielseitig. Die unterschiedlichen Disziplinen – vom Trail bis zur Reining – stellen hohe körperliche und mentale Anforderungen an Pferd und Reiter. Für mich geht es dabei nicht nur um Technik, sondern vor allem um das Gefühl, Vertrauen und eine feine Kommunikation mit dem Pferd.
Inzwischen nimmst du sehr erfolgreich an verschiedenen Turnieren teil. Wie bist du zum Wettkampfsport gekommen?
Zum Westernreiten bin ich durch meine Mutter gekommen, sie reitet selbst schon seit ihrer Kindheit. Schon früh haben wir gemeinsam kleinere, regionale Turniere besucht. Seit 2023 starte ich auch auf größeren Turnieren in ganz Deutschland und bin mittlerweile international unterwegs, unter anderem in Frankreich, Italien, Belgien und den Niederlanden.
Ich starte regelmäßig auf regionalen Turnieren, um meinen Pferden Routine und Sicherheit zu geben – denn auch sie müssen Turniererfahrung sammeln. Zusätzlich reite ich auf nationalen und internationalen Top-Events, bei denen das sportliche Niveau sehr hoch ist.
Was ist deine Lieblingsdisziplin und warum?
Der Westernreitsport ist extrem facettenreich. Ich habe lange Zeit verschiedene Disziplinen ausprobiert, unter anderem auch Ranch-Klassen, die mir viel Spaß gemacht haben, weil sie die Arbeit auf einer echten Farm widerspiegeln. Am Ende hat mich aber die Reining überzeugt. Das sind schnelle, dynamische Manöver. Mich faszinieren daran einfach das hohe technische Niveau und die Ausdrucksstärke dieser Disziplin.
Beruf oder Hobby – wie siehst du deine Zukunft im Reitsport?
Ob ich den Reitsport beruflich machen möchte, beschäftigt mich schon sehr lange. Momentan tendiere ich dazu, diesen Weg professionell zu gehen, möchte mich aber noch nicht endgültig festlegen. Ich hatte bereits Jobangebote, unter anderem vom erfolgreichsten Reining-Reiter Europas. Trotzdem habe ich mich bewusst dafür entschieden, zuerst mein Abitur zu machen. Mir ist wichtig, abgesichert zu sein – denn niemand weiß, was die Zukunft bringt oder ob man irgendwann nicht mehr reiten kann.
Welche Zukunftsperspektiven siehst du außerhalb des Reitens?
Falls es mit dem Reiten irgendwann nicht mehr passen sollte oder ich mich anders entscheide, interessieren mich vor allem Berufe im tiermedizinischen Bereich. Tierärztin oder Hufschmiedin wären für mich spannende Optionen – aber vielleicht entdecke ich auch noch etwas ganz Neues.
Du scheinst viel unterwegs zu sein – was sagt die Schule dazu?
Ich bin sehr dankbar für die Unterstützung durch meine Schule. Gerade bei internationalen Turnieren, die oft außerhalb der Ferien stattfinden, bekomme ich Freistellungen. Das ist für mich nicht selbstverständlich, und ich schätze es sehr, dass mein sportlicher Ehrgeiz anerkannt wird.
Und wie schaffst du dann die Balance zwischen Schule und Reiten?
Während der Turniere habe ich meistens keine Zeit für Schulsachen, deshalb arbeite ich vor oder nach – oft auch auf der Rückfahrt vom Turnier. Ich plane meine Wochen sehr genau: Welche Aufgaben müssen wann erledigt sein? Wann trainiere ich meine Pferde? Natürlich klappt das nicht immer perfekt, aber ich versuche, so strukturiert wie möglich zu arbeiten. Wenn es eng wird, hilft es sehr, offen mit den Lehrkräften zu sprechen – bisher habe ich immer Verständnis erlebt.
Wir bewundern, wie du deinen Weg gehst. Hast du einen Tipp für andere Schülerinnen und Schüler?
Macht euch nicht zu viel Stress. Wenn ihr wirklich für etwas brennt, dann schafft ihr das auch – mit Leidenschaft, Ehrgeiz und einer guten Struktur.
Zu guter Letzt: Was ist dein großer Traum?
Mein großes Ziel ist es, einmal Derby Champion zu werden – das sind Turniere für Pferde im Alter von fünf bis acht Jahren. Außerdem möchte ich unbedingt in die USA, um dort zu lernen und mich weiterzuentwickeln. Dafür gebe ich alles.
Vielen Dank für das Interview!


