Erasmus-Schwedenaustausch verbindet Demokratiebildung und europäische Geschichte
Wie schützen wir Demokratie, Freiheit und Menschenrechte? Und was können junge Menschen aus der Geschichte für die Zukunft lernen? Mit diesen Fragen beschäftigten sich unsere Schüler beim deutsch-schwedischen Erasmus-Austausch Anfang Oktober. Vom 5. bis 8. Oktober 2026 waren die schwedischen Austauschschüler vom FRIDA Gymnasium bei uns am Campus zu Gast. Im Mittelpunkt standen Demokratiebildung, die Auseinandersetzung mit Diktatur und Verfolgung sowie die Bedeutung internationaler Begegnungen für ein gemeinsames Europa.
Geschichte verstehen, Demokratie stärken
Das Programm führte unsere deutschen und schwedischen Schüler an verschiedene historische Orte in Brandenburg und Berlin. In Potsdam besuchten sie das Schloss Sanssouci und die Neuen Kammern, bevor sie sich in den Gedenkstätten Lindenstraße und Leistikowstraße mit der Geschichte politischer Verfolgung auseinandersetzten.
Am nächsten Tag ging es nach Berlin. An der Gedenkstätte Berliner Mauer beschäftigten sich die Jugendlichen mit der deutschen Teilung und den Folgen der Berliner Mauer. In der Ausstellung „Topographie des Terrors“ setzten sie sich mit dem Nationalsozialismus und den Mechanismen von Diktatur und Verfolgung auseinander.
Den Abschluss bildete der Besuch der Gedenkstätte Sachsenhausen. Die Jugendlichen nutzten die historischen Orte, um sich mit den Verbrechen der Vergangenheit und deren Bedeutung für die Gegenwart auseinanderzusetzen.
„Was verlangt die Vergangenheit von uns heute?“
Diese Frage stellte Tina Raehse, Schulleitungsteam unseres Gymnasiums, in ihrer Begrüßungsrede an die schwedischen Gäste. Sie machte deutlich, dass die Auseinandersetzung mit Geschichte nicht bei der Vergangenheit stehen bleiben darf: „Wie schützen wir Menschenwürde, Freiheit, Demokratie und Frieden?“
Für uns als UNESCO-Projektschule gehören diese Fragen zu einem wichtigen Bildungsauftrag. Geschichte zu verstehen bedeutet auch, Verantwortung für die Gegenwart zu übernehmen und sich für demokratische Werte einzusetzen.
Gleichzeitig betonte Tina Raehse die Bedeutung persönlicher Begegnungen über Ländergrenzen hinweg. Europa werde nicht nur in den großen politischen Zentren gestaltet, sondern auch dort, wo Menschen einander begegnen, Erfahrungen teilen und Freundschaften aufbauen. Gerade der Austausch zwischen deutschen und schwedischen Schülern mache Europa im Alltag erlebbar.
Lara: „Bildung ist mehr als Wissen“
Auch unsere Schülerin Lara aus dem 11. Jahrgang begrüßte auf wundervolle und beeindruckende Weise unsere Gäste in englischer Sprache. Lara gab einen persönlichen Einblick in das Lernen und Leben an unserem Campus. Sie berichtete, wie vielfältige Lernangebote, politische Bildung und internationale Begegnungen ihren eigenen Bildungsweg geprägt haben.
Für Lara bedeutet Schule mehr als Unterricht, Klassenarbeiten und Noten. Sie sieht Schule als einen Ort, an dem junge Menschen ihre Persönlichkeit entwickeln, neue Perspektiven kennenlernen und über sich hinauswachsen können.
Besonders wichtig ist ihr die politische Bildung. An unserem Campus setzen sich die Schüler nicht nur im Unterricht mit Demokratie und Politik auseinander, sondern besuchen politische Institutionen, treffen Experten und Politiker und diskutieren über gesellschaftliche Fragen.
Über die Bedeutung internationaler Austauschprogramme sagte Lara: „Ich denke, genau darum geht es bei einem internationalen Austausch: Brücken zwischen Menschen zu bauen, voneinander zu lernen und gemeinsam an einer friedlicheren und stärker verbundenen Zukunft zu arbeiten.“
Sie berichtete auch von ihren eigenen Erfahrungen mit dem Erasmus- und anderen Austauschprogrammen. Die dabei entstandenen Freundschaften und persönlichen Erlebnisse seien Erfahrungen, die bleiben und den eigenen Blick auf die Welt verändern.
Eine besondere Begrüßung mit einer schwedischen Geschichte im Havelland
Tina Raehse hatte für die Gäste noch eine besondere Idee vorbereitet: Sie erzählte die Geschichte vom Birnbaum des Herrn von Ribbeck aus dem Havelland, bekannt durch Theodor Fontanes Gedicht. Der alte Herr von Ribbeck schenkt den Kindern Birnen – und sorgt sogar dafür, dass nach seinem Tod ein neuer Birnbaum wächst. Die Geschichte steht für eine einfache, aber schöne Idee: Menschen gehen, doch das, was sie mit anderen teilen, kann weiterwirken.
Die schwedischen Gäste wurden deshalb eingeladen, ihre eigenen kleinen Geschichten, Erinnerungen oder Erlebnisse auf Papierbirnen festzuhalten. Diese sollen über das Schuljahr hinweg am Campus gesammelt werden – als Erinnerung an die Begegnungen und als Zeichen dafür, wie aus einzelnen Geschichten eine gemeinsame Erfahrung wird.
Erasmusaustausch: Gemeinsam lernen und Europa erleben
Der Schwedenaustausch hat uns gezeigt, wie eng historisches Lernen, Demokratiebildung und persönliche Begegnungen miteinander verbunden sind. Die Schüler setzten sich mit den Folgen von Diktatur und Verfolgung auseinander und beschäftigten sich zugleich mit der Frage, wie Freiheit, Menschenwürde und demokratische Beteiligung heute geschützt werden können.
Gleichzeitig entstanden neue Kontakte und Freundschaften zwischen deutschen und schwedischen Jugendlichen. Der Austausch bot ihnen die Gelegenheit, unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen, Gemeinsamkeiten zu entdecken und Europa ganz persönlich zu erleben.
Wir freuen uns, dass wir mit dem Erasmus+ Programm nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch Begegnungen ermöglichen, die Verständnis fördern und junge Menschen darin stärken, Verantwortung für eine gemeinsame Zukunft zu übernehmen.